Lektürehilfe - Mother to Mother

Zusammenfassung

Eine Lektürehilfe für SchülerInnen, die ‘Mother to Mother’ im Englisch Leistungskurs als Pflichtlektüre für das Abitur lesen. Das Büchlein umfasst kapitelweise Zusammenfassungen und Erklärungen zu wichtigen Zitaten sowie Erläuterungen zu Genre, Stilmitteln, und zur Geschichte Südafrikas.

‘Mother to Mother’ ist auch für die Abiturjahrgänge 2020 und 2021 in Hessen wieder Pflichtlektüre!

Der Roman Mother to Mother von Sindiwe Magona dreht sich um viel mehr als nur der Mord an einer amerikanischen Studentin im Südafrika des späten 20. Jahrhunderts.

Als ich im Frühjahr 2017 einen Englisch Abitur-Intensivkurs für die Abiturklausuren in Hessen gehalten habe, haben sich die Teilnehmer darüber beklagt, es gäbe keine richtige Lektürehilfe für Mother to Mother von Sindiwe Magona (mit kapitelweisen Zusammenfassungen etc., also ein Lektüreschlüssel als Hilfe für das Verstehen des Textes). Außerdem waren die Teilnehmer unsicher was die zentralen Metaphern und die verwendeten Stilmittel angeht. Hinzu kommen die Bedeutung der Erzählperspektive. Des Weiteren wird der Roman in den meisten Englisch Leistungskursen nicht nur mit Blick auf Apartheid in Südafrika hin untersucht, sondern z.B. auch mit Blick auf die Rolle der Frau.

Zusammenfassung des Romans “Mother to Mother” auf Deutsch (Spoiler Alert)

Um überhaupt einen Überblick über den Roman Mother to Mother zu bekommen, habe ich Dir hier ganz knapp die einzelnen Kapitel auf Deutsch zusammengefasst. Bedenke aber, dass dies nicht das gründliche Durcharbeiten des Romans selbst ersetzt. Es soll lediglich als erste Orientierung dienen.

Kapitel 1 - Mandisa’s lament

Mandisa, die Mutter des Mörders, wendet sich direkt an die Mutter des Opfers: Sie sagt, dass sie die Kontrolle über ihren Sohn Mxolisi schon vor langer Zeit verloren hat. Sie sagt, dass Mxolisi jetzt im Gefängnis besser versorgt ist als zu jeder anderen Zeit in seinem Leben und dass Mandisa als Mutter des Täters eine große Last trägt.

Kapitel 2 - Mowbay - Wednesday 15 August 1993

Mandisa stellt sich das Leben der jungen Studentin am Morgen der Tat vor: ein Leben voller Freude und Sorglosigkeit. Dies wird in Kontrast gesetzt zu Mandisa’s Leben, welches von Arbeit und Entbehrung gekenntzeichnet ist.

Kapitel 3 - 5.15pm - Wednesday 25 August 1993

Mandisa vergleicht ihr Leben mit dem der (weißen) Frau, für die sie arbeitet. Auf der Arbeit erfährt sie, dass in Guguletu jemand ermordet worden ist. Sie hat große Sorge um ihre Kinder und macht sich sofort auf den Heimweg.

Kapitel 4 - 7.30pm

Mandisa kommt zu Hause an. Nur Lunga und Siziwe, die beiden jüngeren Kinder, sind zu Hause. Mandisa erfährt, dass die ermordete Person weiß ist.

Kapitel 5

In einer Rückblende erfährt der Leser über die gewaltsame Umsiedlung der schwarzen Bevölkerung zur Zeit, als Mandisa noch ein Kind war. Die neuen Wohn- und Lebensbedingungen stellen eine klare Verschlechterung für die Menschen dar. Als direkte Folge der Umsiedlung beschreibt Mandisa den Mangel an Bildungschancen für Mxolisi.

Kapitel 6 - 4am - Thursday 26 August 1993

Die Polizei sucht nach Mxolisi, durchsucht das Haus der Familie. Lunga wird dabei von der Polizei zusammengeschlagen. Die Polizei zerstört den Verschlag im Garten der Familie, der Mxolisi als Schlafplatz dient.

Kapitel 7

In einer Rückblende berichtet Mandisa, wie sie als Teenager von ihrer Mutter aufs Land zu ihrer Großmutter geschickt wird, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Weder ihre Familie noch sie selbst wissen, dass Mandisa bereits schwanger ist.

Kapitel 8

(immer noch in der Rückblende:) Mandisa heiratet China (Mxolisi’s Vater), und zieht zu seiner Familie, wo sie einen schweren Stand hat und die meisten anfallenden Arbeiten erledigen muss. China verschwinded eines Tages. Mandisa verässt China’s Familie, trifft Lungile. Kurze Zeit später wird Lunga geboren. (Lungile ist sein Vater.)

Kapitel 9 - 6am - Thursday 26 August

Die Polizei verlässt das Haus nach der Durchsuchung. Siziwe steht unter Schock, erzählt aber, dass Mxolisi doch vorher kurz zu Hause gewesen ist. Lungile sagt Mandisa, er habe es kommen sehen, dass Mxolisi eines Tages große Schande über die Familie bringen würde.

Kapitel 10

Mandisa berichtet wie ihr Großvater mit ihr über zentrale geschehnisse in der Geschichte Südafrikas geredet hat (“cattle killing” etc). Reverend Mananga ermöglicht ein geheimes Treffen zwischen Mandisa und Mxolisi, der sich vor der Polizei versteckt.

Kapitel 11

Mandisa redet über die Rolle von Schande und Schuld und die unterschiedliche Art und Weise, in der die beiden Mütter trauen. (Sie wendet sich hierzu wieder direkt an die Mutter des Opfers.)

Kapitel 12

Mandisa redet über die Probleme, die die Generation ihres Sohnes hat. Sie beschreibt den Angriff auf das Auto der Stundeten und den Mord an der weißen Studentin und schlägt somit wieder den Bogen zum Anfang des Romans. (Der Mord rahmt damit quasi den Rest der Handlung ein.)

Mother to Mother: Mxolisi - freier Wille oder Determinismus?

Ist Mandisa’s Darstellung von der Welt des Täters eine Entschuldigung für sein handeln?

Wer in Hessen bald sein Englisch-Abitur macht, wird sich bei der Lektüre von Sindiwe Magona’s Roman Mother to Mother früher oder später fragen, ob die Art und Weise, in der Mandisa die Welt des Täters geschreibt, nicht klingt wie ein Entschuldigung seines Verhaltens und wie eine Relativierung des Mords an der weißen Studentin. In diesem Artikel will ich dir zwei Konzepte aus der Soziologie vorstellen, die dir bei Analysen und Kommentaren (und vielleicht ja auch in den Abiturklausuren) helfen werden, Mxolisi’s Handeln und Mandisa’s Darstellung davon zu bewerten.

Determinismus

Unter Determinismus versteht man, dass Ereignisse durch Vorbedingungen unabwendbar vorherbestimmt sind. In Mother to Mother könnte man also argumentieren, Mxolisi’s Leben im Township, seine fehlende Schulbildung, die Abwesenheit des Vaters, fehlende Aufsteigschancen in der Gesellschaft führen alle dazu, dass es unausweichlich ist, dass Mxolisi zum Straftäter wird. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Vorahnungen die im Roman geäußert werden, z.B. von Lungile.

Freier Wille

Das Gegenstück zum Determinismus ist der freie Wille. Die Idee ist, dass der Mensch die Fähigkeit hat, aus verschiedenen Wahlmöglichkeiten bewusst eine Entscheidung zu treffen und dass der Mensch in dieser Wahl frei ist. Bezogen auf Mother to Mother könnte man also argumentieren, dass Mxolisi frei entscheidet, ob er an dem Angriff auf das Auto der Studenten und dem darauf folgenden Mord teilnimmt oder nicht.

Subjektive Darstellung durch Mandisa

Hinzu kommt im Roman die subjektive Darstellung durch Mandisa, von deren Blickwinkel aus der Leser die Handlung erfährt. Durch die Beschreibung der Lebenswelt des Täters erhält das Buch den Anschein der Rechtfertigung. Ob dies von Mandisa intendiert ist, oder ob das Buch gekonnt das Spannungsfeld dieser beiden Strömungen aufzeigt, bleibt wohl jedem Leser selbst überlassen.

Inhalt für Essays und Analysen

Eben dieses Spannungsverhältnis kann hervorragend für eine Analyse bzw. einen Vergleich herangezogen werden. So ergeben sich z.B. neue Vergelichsmöglichkeiten mit Othello: Inwiefern ist in Shakespeare’s Stück das Schicksal determiniert, u.s.w.

Eine ausführliche Lektürehilfe auf Englisch sowohl mit Inhaltsangabe als auch mit Analysen und Erklärungen wichtiger Zitate sowie einer Übersicht der im Roman verwendeten Stilmittel (inkl. Beispiele) kannst Du hier als ebook oder hier als Taschenbuch kaufen.
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Armin Ginkel
Englisch-Dozent